Public Link im Gespräch mit Head of Marketing & Sales Ferdinand Christ

© Ferdinand Christ

Public Link im Gespräch mit Head of Marketing & Sales Ferdinand Christ

Monat: März
Jahr: 2021

Die Medienbranche befindet sich in einer Umbruchphase. Die Coronakrise beschleunigt die Digitalisierung unseres alltäglichen Lebens, Massenmedien kämpfen nicht erst seit der Pandemie um Leser- und Zuschauerzahlen. Wie verhält sich diese Entwicklung im Bereich der Special-Interest-Magazine?

Pulse Publishing ist einer der größten Fachverlage Deutschlands. 12 Magazine erscheinen im Print und digital unter dem Dach des führenden Vermarkters für eine junge und trendorientierte Zielgruppe. Die Themengebiete reichen von Sport und Reisen bis zu Mode und Kultur. Dabei legen die Redakteure laut eigener Aussage Wert darauf, ihre Stories authentisch aufzubereiten und so den Lebensstil der Leser zu spiegeln. Im Interview spricht Ferdinand Christ, Head of Marketing & Sales bei Pulse Publishing, darüber, was der Wandel der Medienbranche für ihn bedeutet und was er sich in Zukunft von Agenturen und Unternehmen wünschen würde. 

PL:
Ferdinand, Eure Titel sind vorrangig auf eine moderne und dynamische Zielgruppe zugeschnitten. Wie habt Ihr das Mediennutzungsverhalten Eurer LeserInnen in den letzten Jahren wahrgenommen? 

Ferdinand Christ: Das mediale Konsumverhalten hat sich in den vergangenen Jahren extrem in Richtung Social Media und Influencer verschoben. Aber auch hier merkt man, dass Social Media nicht immer gleich Social Media ist. Manche Plattformen gewinnen, manche nehmen rasant ab und nur wenige bleiben beständig. Dennoch sind unsere Szene-Magazine weiterhin beliebt und die Seiten bleiben gut besucht. 

PL: Wie habt Ihr als Verlag darauf reagiert? Sind in den vergangenen Jahren neue Formate oder Kanäle entstanden oder relevanter geworden? 

Ferdinand: Als freies Medium und hauptsächlich auf Online-Plattformen fokussierter Verlag können wir viel gezielter auf Themen und Neuerungen eingehen. „Service“ steht für uns dabei auf der Pole Position. Aber auch aktuelle Features, News und Storys bilden weitere Grundpfeiler, mit denen wir uns erfolgreich behaupten können. 

PL: Viele Eurer Wettbewerber haben in den vergangenen Monaten eine finanziell schwere Zeit erlebt – einige Titel gibt es heute nicht mehr. Welche Wege siehst Du , um mitten im Medienwandel und der Pandemie stabil zu bleiben?  

Ferdinand: Medien – egal, ob Print oder Online – haben es derzeit schwerer denn je. Viele unserer Mitbewerber konnten sich bislang durch Rücklagen gerade so über Wasser halten, nur sind das sehr kurzfristige Mittel, die den meisten zur Verfügung stehen. Da finde ich es gut, dass es zum Beispiel durch Crowdfunding-Kampagnen oder staatliche Hilfen Möglichkeiten gibt, die Vision weiter leben zu können. Wir alle verfolgen ein Ziel – die Passion zu teilen und mehr Menschen zum Sport zu bewegen, sie zu unterstützen und zu informieren. 

PL: Wie steht Ihr zu Bezahljournalismus – potentielle Option für eine Finanzierung oder doch lieber ausschließlich Werbung und Markendeals? 

Ferdinand: Ph, das ist eine sehr schwierige Frage! Bezahljournalismus ist in einem bedingten Rahmen durchaus eine potenzielle Finanzierungsoption. Es sollte allerdings auf keinen Fall zu werblich sein und darüber hinaus Platz für Kritik bieten. Klassische Markendeals und Werbung gibt es schon noch, aber bei weitem nicht mehr so, wie es beispielsweise vor fünf Jahren war. Daher ist es wichtig, in diesen Bereichen konstant neue Vermarktungsformate zu kreieren. 

PL: Wie hat sich die Zusammenarbeit für Euch mit PR-Agenturen und Markenverantwortlichen in den vergangenen Jahren geändert? 

Ferdinand: Die Erwartungshaltung vieler PR-Agenturen und Marken ist, dass wir Medien die Pressemitteilung selbstlos und unverzüglich über unsere Kanäle teilen. Sobald es um eine finanzielle Kooperation geht, kommt hingegen nur spärlich eine Rückmeldung – und das ist verdammt schade, denn es gibt enorm viele Ansätze, die den Marken bzw. Produkten einen medialen Mehrwert bieten würden. Für die Verantwortlichen steht das leider häufig nicht mal als Option im Raum. 

Ob zum Großkonzern, zur kleinen Garagen-Schmiede oder der klassischen  PR-Agentur: Partnerschaften müssen in beide Richtungen fair bleiben.

PL: Was würdest Du dir in Bezug auf die Entwicklung der Branche wünschen? 

Ferdinand: Besonders den Sport haben wir von Minute eins mit aufgebaut, kommuniziert und ihm eine Bühne geboten – im selben Zuge aber auch Marken mit aufgebaut. Daran sollten sich gerne mehr Leute erinnern, bevor sie erneut ihr knappes Marketing-Budget für Giveaways und Influencer verbraten.

PL: Danke, dass du uns Rede und Antwort standest!