Achtung Aufnahme! Schritt für Schritt zum perfekten Branded Podcast

Achtung Aufnahme! Schritt für Schritt zum perfekten Branded Podcast

Monat: September
Jahr: 2021

Gerade in der Pandemie wurde das ohnehin immer beliebter werdende Medium Podcast zum absoluten Hype. So ist es nicht überraschend, dass auch Unternehmen das Kommunikationsmittel inzwischen als ideales Branding-Tool in ihren Marketing-Mix integrieren – und zwar weitaus raffinierter als über die klassische Pre-Roll. Denn besonders aus PR-Sicht ist der Podcast ein großartiges Medium, um Markenbotschaften, spannende Insights und wertvolle Tipps mit der Zielgruppe zu teilen. Wie das funktionieren kann, erklären wir Schritt für Schritt am Beispiel unseres Kunden, dem Ferienhaus-Online-Marktplatz FeWo-direkt, mit dem wir gemeinsam den Podcast  .„Mit Kind und Koffer“ kreiert haben. 

Schritt 1 – Thema  und Zielgruppe festlegen

Die ersten Überlegungen galten der Zielgruppe. Machen wir einen Podcast für Medien oder eher für die Endverbraucher*innen. Je nach Entscheidung beeinflusst das die ganze Herangehensweise an die Produktion, angefangen von den Partner*innen, über die Gesprächspartner*innen und die inhaltlichen Themen bis hin zu begleitenden Marketing- und PR-Maßnahmen. Wir entschieden uns für die Zielgruppe „Familien, die gerne Urlaub im Ferienhaus machen”.

Learning:

1. Die Zielgruppe sollte schon im Vorfeld feststehen. Je klarer sie umrissen ist, desto einfacher sind alle weiteren Schritte und die Themenfindung.

Schritt 2 – Kompetente Partner*innen & schnittige Formate finden

Für die technische Umsetzung und Produktion wandten wir uns an das digitale Stadtmagazin „MitVergnügen“, dessen Mitarbeiter*innen bereits seit einigen Jahren so erfolgreiche Podcast produzieren wie  „Hotel Matze“, „Familienrat“, „Beziehungsrat“, „Heute in 5 Jahren – der Zukunftspodcast“.  Beim Thema Reise konnten MitVergnügen mit ihrer Brand Extension „Reisevergnügen“ eine Expertise aufweisen. 

Gemeinsam machten wir uns an die Festlegung des Formats und entschieden  uns für lockere Gespräche zwischen der Chefredakteurin von Reisevergnügen,Charlott Tornow, und der Buchautorin & Familienexpertin Nora Imlau.

Learnings:

1. Kompetente Partner*innen mit technischem Know-How und Produktions-Erfahrung sind unerlässlich.

2. Lockere Gespräche eignen sich besser für Podcasts als steife Interviews.

Schritt 3 – Titelsuche, Leitfäden erstellen und die Gesprächspartner*innen kennenlernen

Nach einem intensiven Brainstorming entschieden wir uns für den Podcasttitel „Mit Kind und Koffer“. Anschließend konnten wir gemeinsam die Themen für die einzelnen Folgen festlegen. Für den Anfang beschränkten wir uns auf eine Staffel mit vier Folgen. Jede Folge sollte eine klare Struktur haben, ein konkretes Thema behandeln und ein Gespräch zwischen Host Charlotte und Nora Imlau sein. Dabei konnte der Kunde gewünschte Themengebiete vorgeben. Final einigten wir uns auf eine etwas allgemeiner gehaltene erste Folge, gefolgt von Gesprächen über Urlaub mit Babys und Kleinkindern, Urlaub mit Teenagern und Urlaub mit den Großeltern.

Grobe Leitfäden für die 20 bis 30 Minuten langen Gespräche wurden vorbereitet. So wussten alle Beteiligten vorab, was besprochen werden sollte, ohne dass die Gespräche zu geskriptet und somit später unauthentisch wirkten. 

Learnings:

1. Der Podcasttitel sollte kurz und gleichzeitig aussagekräftig sein, damit sofort verständlich wird, worum es hier geht.

2. Gesprächsleitfäden mit Fragen und Stichpunkten für die Antworten erleichtern die späteren Aufnahmen und verhindern, dass man sich verzettelt oder das Gespräch stockt. Außerdem kann der Kunde die ihm wichtigsten Themen vorab benennen. 

3. Mit einer Vorankündigung des Podcasts via Social Media können potentielle Hörer*innen aufgefordert werden, Fragen zu schicken. So schafft man sich bereits die ersten interessierten Follower.

4. Die Gesprächspartner*innen sollten nicht nur inhaltlich passen, ideal ist es auch, wenn sie bereits einen gewissen Bekanntheitsgrad haben (Influencer*innen, Autor*innen, Journalist*innen, Wissenschaftler*innen…), um ihre Follower als potentielle Hörerschaft mitzubringen.

5. Vorgespräche sind wichtig, damit sich die Gesprächspartner*innen aneinander gewöhnen können, sich kennenlernen. So wirken die Folgen später wesentlich natürlicher.

Schritt 4 – Musik komponieren, Logo entwerfen und die gute Technik 

Im nächsten Schritt ließen wir über MitVergnügen eine Titelmelodie komponieren, die zum Thema und Tenor des Podcasts passen sollte. Und auch das Logo wurde entwickelt, als Basis diente ein Brand-Foto des Kunden. Aufgrund des Lockdowns war eine Anreise von Nora Imlau ins Podcast-Studio nach Berlin leider nicht möglich. Im Normalfall ist dies für die Gesprächsatmosphäre und aus Technikgründen aber durchaus sinnvoll. Um Zeit zu sparen wurden die Aufnahmen der vier Folgen für zwei aufeinanderfolgende Tage angesetzt. 

Learnings:

1. Eine eigene Titelmelodie gibt dem Podcast einen Wiedererkennungswert. GEMA-freie Musik ist möglich, klingt aber schnell beliebig.

2. Für das Titelbild/Logo eignen sich schlichte Grafiken oder Icons besser als Fotos. Firmenlogos sollte man nicht verwenden.

3. Beim Branding sowohl optisch als auch inhaltlich am besten so zurückhaltend wie möglich agieren.

4. Alle sollten dieselben technischen Voraussetzungen haben, ein professionelles Tonstudio ist kein Muss, erleichtert aber die Arbeit in der Postproduktion.

5. Lieber 10 Minuten länger aufnehmen, so hat man in der Postproduktion genug Futter und kann weniger gelungene Stellen schneiden.

Schritt 5 – Die Postproduktion und das Aufsetzen des Kanals

Nach dem Abschluss der Aufnahmen, gingen die Folgen in die Postproduktion bei MitVergnügen. Ein Teaser wurde produziert, der Einstieg für die Folgen eingesprochen, die Versprecher und Füllwörter aus den Gesprächen geschnitten und die akustischen Artefakte entfernt. Die fertigen Folgen konnte der Kunde schließlich vor Veröffentlichung abnehmen. Inhaltliche Fehlinformationen wurden damit verhindert. Anschließend setzten die Mitarbeiter*innen von MitVergnügen den Kanal bei Spotify und Apple Podcasts auf.

Learnings:

1. Jeder Podcast braucht einen kurzen, ca. 2-minütigen Teaser, der die Richtung und Inhalte darstellt.

2. Grobe Fehler oder zu viele „Ähms“ können in der Postproduktion rausgeschnitten werden.

3. Das Aufsetzen eines neuen Kanals nimmt rund zwei Tage in Anspruch. Was auf Spotify und Apple Podcast zu hören ist, läuft später automatisch auch auf anderen Podcast-Plattformen.

Schritt 6 – Die Folgen werden gedroppt und medial begleitet

Die vorproduzierten Folgen wurden im 2-Wochen-Rhythmus jeweils freitags live gestellt und mit Social-Media Aktivitäten begleitet – sowohl von MitVergnügen und Reisevergnügen als auch mit Influencer- und Media-Kooperationen über FeWo-direkt. Zur ersten Folge wurde zudem eine Pressemitteilung verfasst. Da Podcasts ein langlebiges Medium sind und die Inhalte auch heute noch durchaus relevant,  wird darüber hinaus in jeglicher externer Kommunikation (z.B. Abbinder, Emails etc.) auf den Podcast verwiesen. 

Learnings:

1. Bei einem neuen Podcast macht es Sinn, zum Start der Staffel gleich ein paar Folgen live zu stellen – zwei oder drei. Anschließend sollten im Wochenrhythmus weitere Folgen veröffentlicht werden. Das bindet die Hörer*innen besser und bleibt im Gedächtnis.

2. Podcasts wachsen langsam. Die erste Folge wird immer die meisten Hörer*innen haben. Aber je öfter und länger man den Podcast mit neuen Folgen füttert, desto besser für die Zahlen.

3. Social-Media Begleitung ist wichtig. Je mehr reichweitenstarke Influencer via Swipe-up auf den Podcast hinweisen, umso besser. Am besten jede Folge einzeln bewerben. Das Budget für die Social-Media Begleitung sollte ähnlich hoch sein, wie das für die gesamte Podcastproduktion.

Unser Fazit – let’s do it again!

Podcasts bieten viele Möglichkeiten – auch für die PR. Eine riesige mediale Aufmerksamkeit sollte man sich allerdings nicht erwarten, Podcasts zahlen vor allem auf die Brand Awareness ein. Obwohl die Zahl der Podcasts kontinuierlich ansteigt und die Konkurrenz zunimmt,  können Marken bestimmte Nischen definitiv noch besetzen. Allerdings sollte dabei das Branding sehr dezent und mit viel Fingerspitzengefühl eingesetzt werden. Für „Mit Kind und Koffer” hat FeWo-direkt eine Art Vorreiter-Position in der Branche eingenommen. Damit stünde einer weiteren Staffel des Podcasts nichts mehr im Wege. Wir freuen uns schon darauf!