Wohin geht die Reise?

Wie Medienhäuser die Reiseberichterstattung neu aufstellen

Madsack tut es, Gruner + Jahr ebenfalls und nun zieht auch die FUNKE Mediengruppe nach: Künftig wird das Essener Verlagshaus unter der Marke Globista online Reisen verkaufen.

Die Funke Zeitschriften und Tageszeitungen dienen dabei als Vertriebsnetz. So wird den Titeln wie WAZ oder Hörzu zum Start des Portals eine Printbroschüre beiliegen, die exklusiv geschnürte Reisepakete anpreist.

In Zeiten sinkender Anzeigen- und Vertriebserlöse sind Verlage gezwungen neue Geschäftsfelder zur Kompensation zu erschließen. Was bietet sich da besser an, als die reisebegeisterten Deutschen zielgruppengenau an sich zu binden? Immerhin belegen sie nach den US-Amerikanern und Chinesen den dritten Platz im Ranking der Reiseweltmeister.

Crossmedial und zielgruppengenau

Madsack und Gruner + Jahr hatten diesen Trend bereits zu Beginn des vergangenen Jahres erkannt. Die Madsack-Mediengruppe lancierte mit der Reiseplattform „Reisereporter“ ein crossmediales Portal, das vor allem mit vielseitigem Content punktet. Die Geschichten werden medienübergreifend in Digital und Print erzählt. Pluspunkt hierbei, die enorme Reichweite. Für Partner ergeben sich somit zahlreiche individuelle Marketingkonzepte und Werbeumfelder.

G + J bewirbt seine Reisewelt vor allem mit der inhaltlich zielgruppengenauen Ansprache. So werden Reisen angeboten, die thematisch zu den jeweiligen Zeitschriftenmarken passen. Für die Leser vom „Stern“ sind dies beispielsweise Kreuzfahrten und Rundreisen, für die „Brigitte“-Leser Städte- und Kurzreisen.

Soviel Positives der Fokus auf das neue Geschäftsfeld „Reise“ in Sachen Reichweite und Erschließung neuer Zielgruppen für die Reiseberichterstattung auch mit sich bringt, bleibt dennoch die Frage, wie unabhängig Redakteure hier thematische Schwerpunkte setzen können.

Welche Kriterien werden bei der Entscheidung, ob eine Story erscheint oder nicht herangezogen und welche Auswirkungen hat das auf die PR-Arbeit im Bereich Tourismus? Obwohl Madsacks Reisereporter und Gruner + Jahrs Reisewelt sich schon seit mehr als einem Jahr auf dem Reisemarkt tummeln, sind offizielle Reaktionen und Erfahrungsberichte seitens der PR-Agenturen bisher nicht zu vernehmen.

Mediaplanung im Fokus

Sollten Pitches und Pressemitteilungen künftig also neben dem Redaktionsplan auch die Mediaplanung mitberücksichtigen? Nicht selten erreichen Berater heute schon nach Versand von Presseinformationen E-Mails mit Angeboten zu Anzeigenschaltung und Kooperationsmöglichkeiten. Ist demnächst nicht mehr der leitende Reiseredakteur erster Ansprechpartner bei der Platzierung redaktioneller Themen, sondern vielmehr der Sales Manager aus der Anzeigenabteilung?

Wie auch beim Thema Bezahlschranke der Onlinemedien, das anfangs auf wenig Gegenliebe stieß, und heute Usus ist – erst kürzlich weitete das Handelsblatt die Anzahl der kostenpflichtigen Artikel massiv aus – wird sich wohl auch in der Reiseberichterstattung ein Mix aus paid content und Gratisinhalten durchsetzen. Vielleicht liegt hier auch eine Chance, dem Thema „Reise“ neues Leben einzuhauchen.

In den vergangenen Jahren ging der Trend dahin, die Reiseseiten in Tagespresse und Magazinen immer stärker einkürzen oder wie bei der Wochenzeitung ZEIT ganz in die Beilage zu verlegen. Zunehmend schwieriger ist es somit für PR-Agenturen geworden, die Themen ihrer Reisekunden in den Redaktionen unterzubringen. Mit der Entwicklung verlagsgebundener Reiseportale können somit auch neue Formen der Zusammenarbeit von Medienhäusern, PR-Agenturen und Kunden entstehen, die in Sachen Reichweite und Zielgruppe für alle Partner attraktiv sind – auch wenn hierfür der eine oder andere Euro investiert werden muss.

 

Links:

https://www.facebook.com/globistareisen/

http://www.reisereporter.de

https://reisewelten.stern.de/?utm_source=stern_redirect&utm_medium=print

https://reisewelten.brigitte.de/?utm_source=brigitte_redirect&utm_medium=print